Der Mensch ist ein Tragling!

Oder: Warum überhaupt Tragen ?

Das Tragen liegt in der Natur des Menschen!
Schon vor Urzeiten haben unsere Primaten-Vorfahren ihren Nachwuchs auf dem Rücken getragen. Damals haben die Kleinen sich noch instinktiv mit Händen und Füßen im Rückenfell der Mutter festgehalten.

Nun sind die Zeiten des langen Rückenfells vergangen, aber es finden sich auch heute noch die Überbleibsel dieser Reflexe wieder:
Legt man einem Baby den Finger in die Hand, greift es zu. Hebt man ein Neugeborenes hoch, so zieht es automatisch die Beine an und bildet von sich aus die gesunde Anhock-Spreiz-Haltung, welche durch eine gute Tragehilfe oder das Tragetuch unterstützt wird.

Schon immer wird auf der ganzen Welt getragen. Es liegt einfach in unserer Natur und das aus gutem Grund!

Die Physiologie eines Säuglings entspricht nicht der eines Erwachsenen oder eines Kleinkinds.
Ein Säugling ist in seinen ersten Wochen und Monaten „Rund“. Die komplette Wirbelsäule ist auf eine gerundete, gekrümmte Haltung ausgelegt, die Hüfte noch unreif und für die dauerhafte gestreckte Beinhaltung nicht bereit.

Für diese körperlichen Eigenschaften ist das Tragen Gold wert.
Richtig eingebunden oder richtig in der Tragehilfe platziert, wird der Rücken des Babys in seiner natürlichen, gekrümmten Haltung unterstützt und gestützt. Es hat einen „Runden Rücken“.

Häufig wird bei Neugeborenen eine Hüftdysplasie, also eine „unreife Hüfte“ diagnostiziert. Die Hüftpfanne ist noch nicht ausreichend ausgeformt und umschließt das darin liegende Gelenk nicht ausreichend.
Um eine solche Dysplasie zu behandeln, wird oft zu „breit wickeln“ oder einer Spreizhose geraten, welche die Beine des Kindes in eine M-form bringt und das Hüftgelenk optimal in der Hüftpfanne positioniert.

Genau diesen Effekt hat das richtige Tragen auch! Die Beine werden in der Anhock-Spreiz-Haltung in die M-Form gebracht und somit in eine gesunde Haltung.

Auch der Kopf profitiert vom Tragen! Denn je weniger der Kopf auf einer ebenen Fläche aufliegt, umso geringer ist die Wahrscheinlichkeit einer Verformung des Kopfes.

Auch ist es so, dass das Kind beim Tragen den Bewegungen des Tragenden ausgesetzt ist. Jedes Drehen, zur Seite Neigen oder auch in die Hocke gehen regt das Kind an. Es macht automatisch kleine Ausgleichsbewegungen und trainiert ganz nebenbei die Muskulatur und den Gleichgewichtssinn.

Von Kopf bis Fuß eine runde,  gesunde Sache!


Nun dreht sich zwar vieles um die Gesundheit des Kindes, aber besonders wichtig ist auch das Gefühl für den Tragenden und den Tragling!

Wer liebt es nicht, sein Kind nah bei sich zu haben, den kleinen, warmen Köper zu spüren und den traumhaften Babyduft einzuatmen?
Welches Kind ist nicht gerne bei einer vertrauten Person, immer mit dabei und genießt den Körperkontakt und die Aufmerksamkeit?

Kaum jemand würde auf diese Fragen mit „Ich nicht!“ antworten.

Denn genau so ist es.

Dieses Gefühl, dieses Glück, ist der Grund, aus dem wir tragen.

Der kleine und feine positive Nebenaspekt, neben der Gesundheit, der Nähe und der Geborgenheit, ist ganz simpel => Es ist unglaublich praktisch.

  • Haushalt mit zahnendem oder krankem Baby, das nur kuscheln mag? Kein Problem.
  • Die Hände frei haben für das Geschwisterkind oder die Geschwisterkinder? Kein Problem.
  • Spaziergänge über unwegsames Gelände mit dem Hund? Kein Problem.
  • Häuser ohne Aufzug? Kein Problem.
  • Urlaub mit Baby am Strand, in den Bergen oder einfach einem vollen Kofferraum? Kein Problem.

Also: Warum kompliziert, wenn es auch einfach geht ?!

Probiert es aus und genießt den Alltag mit eurem Baby auf ganz besondere, gesunde Weise!

 


So nicht!

Vieles ist mit Trage und Tuch möglich, jedoch nicht alles.

Hier eine kleine Auflistung an Dingen, die für euch und vor allem euer Kind gefährlich und ungesund sind:

  • Nach vorne gerichtetes Tragen (unterstützt in keiner Weise die natürliche Krümmung des Rückens und die Anhock-Spreiz-Haltung)
  • Tragen des Kindes in der Wiegehaltung (übt zu viel Druck auf die Hüfte aus und garantiert keine freie Atmung)
  • Alle Sportarten in denen man auf einem Gerät oder Tier unterwegs ist und die über Walken hinaus gehen, wie: Fahrradfahren, Ski fahren, Reiten, Inliner fahren usw. (das Kind ist nicht geschützt und kann bei einem Unfall tödlich verletzt werden)
  • Auto fahren, denn ein Kind ist nur in dementsprechenden Sitzen ausreichend geschützt!

Eine Ausnahme ist das Bus fahren, denn dies ist ohne Kindersitz erlaubt.

Achtet jedoch unbedingt darauf, entgegen der Fahrtrichtung zu sitzen, solltet ihr dies mit eurem Kind in der Trage machen.
Im Falle einer Vollbremsung wird so euer Kind nur etwas an euren Körper gedrückt.
Sitzt man mit der Fahrtrichtung, wird der eigene Körper mit dem Kind davor gegen den Vordersitz oder eine Haltestange gepresst und das Kind kann lebensbedrohlich verletzt werden.

Solltet ihr euch unsicher sein, ob ein geplantes Vorhanden gut umsetzbar ist oder nicht, fragt gerne nach!